Schule für Erziehungshilfe
Unsere Schule für Erziehungshilfe am Heim - eine staatlich genehmigte Ersatzschule - bietet den Schülern in vier verschiedenen Bildungsgängen eine breit gefächerte schulische und sonderpädagogische Förderung an. Die Aufnahme erfolgt in Verbindung mit einer Jugendhilfemaßnahme und in Abstimmung mit dem jeweils zuständigen Schulaufsichtsamt (>>>Aufnahmeverfahren).
Unsere Schule für Erziehungshilfe bietet in den verschiedenen Bildungsgängen jeweils alle Klassenstufen an.

Die Kinder und Jugendlichen werden in kleinen Klassen mit durchschnittlich 8 und maximal 12 Schülern unterrichtet, die in vier Gebäuden untergebracht sind.
Bei der Raumverteilung hat die Arbeit in Kooperationseinheiten eine hohe Priorität. So ist die Primarstufe in einem eigenen Gebäude untergebracht. Hierdurch wird das vernetzte Arbeiten intensiv unterstützt. Aufgrund des eigenen Rhythmus des Schulalltags, der z.B. auch in den gesonderten Pausen zum Ausdruck kommt, wird den Kleinsten unserer Schülerinnen und Schüler ein ganz besonderer Schonraum geboten. Gemeinsame Aktivitäten, wie etwa die wöchentliche Probe des Grundschulchores, haben einen festen Platz in der Unterrichtsplanung dieser Stufe.
Auch in den anderen Bildungsgängen ist intensive Zusammenarbeit in Kooperationseinheiten ein wesentliches Qualitätsmerkmal. So steht eines der Schulgebäude überwiegend der Förderschulabteilung zur Verfügung. Insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung des neuen Bildungsplanes der Förderschule ergeben sich dadurch viele Synergieeffekte. So wird das schulische Arbeiten in Handlungsfeldern deutlich unterstützt. Die Kooperation der Lehrkräfte untereinander ist aufgrund der kurzen Wege deutlich erleichtert. Aktivitäten mit den Schülern der anderen Bildungsgänge – wie etwa der gemeinsame Musik- und Sportunterricht der 5. sowie der 6. Jahrgangsstufe im Rahmen der Bläserklassen oder die Unterbringung der 5.-Klässler im selben Gebäude – unterstützen die Integration dieser Schüler innerhalb unseres Schulgefüges.
In den Bildungsgängen Haupt- und Realschule sind die Klassen ebenfalls fast durchgängig in einem Gebäude untergebracht. Dabei befinden sich Parallelklassen in benachbarten Klassenzimmern. Da die Lehrkräfte zudem überwiegend in einer sehr überschaubaren Zahl von Klassen, vorzugsweise in Parallelklassen oder auch in Klassen einer bestimmten Stufe eingesetzt werden, können sie – trotz des im Hinblick auf unseren hohen Bildungsanspruch notwendigen Fachlehrerunterrichts insbesondere in den höheren Klassen - sehr intensiv kooperieren. So werden etwa Parallelklassen nach Möglichkeit in einzelnen Stunden zusammengefasst, sodass im Rahmen von Teamteaching gearbeitet werden kann. Neben dem intensiven Austausch haben die Lehrkräfte hier u. a. die Möglichkeit, sich einzelnen Schülern besonders intensiv zuzuwenden. Den Schülern werden so zudem im Hinblick auf ihre angestrebte Rückführung an Regelschulen besondere soziale Lernfelder in größeren Lerngruppen geboten. Durch die Arbeit in Kooperationseinheiten wird ferner die Arbeit in Fächerverbünden unterstützt und ein reibungsloserer Lehrerwechsel zwischen den Stunden sowie ein besserer Zugriff auf die Lehr- und Lernmittel ermöglicht.
Eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche Erziehungs- und Unterrichtsarbeit an unserer Schule ist der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Lehrern und Schülern. Innerhalb der kleinen Klassen schenken die Lehrkräfte jedem einzelnen Schüler sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung.
In einem gestuften System individueller Hilfen werden darüber hinaus die sozialen Kompetenzen der Schüler gefördert. So wird etwa im Rahmen des Trainingsraumkonzepts (Arizonamodell) die Eigenverantwortung der Schüler gestärkt.
Durch unser Fitnessprogramm werden einzelne Schüler, die noch nicht oder vorübergehend nicht in der Lage sind, dauerhaft am Unterricht ihrer Klasse teilzunehmen, an drei Wochentagen durch eine Fachkraft in einem Fitnessstudio betreut.
Ziel der Maßnahme ist die Befähigung der Schüler, wieder durchgängig am Unterricht teilhaben zu können. Durch die regelmäßige, intensive körperliche Betätigung erfahren die Schüler einen sinnvollen Ausgleich. Gleichzeitig werden sie durch die erzielten Erfolge in ihrem Selbstvertrauen gestärkt. Zudem werden die Schüler im Hinblick auf ihre Fähigkeit, ausdauernd und diszipliniert bei einer Sache zu bleiben, gefördert.
Für Schüler mit besonders hohem Betreuungsbedarf stehen Lehrerstunden für individuelle Konzepte zur Verfügung.
Schülern mit besonderem therapeutischen Bedarf steht während des Schulvormittages durchgängig jeweils eine Fachkraft unseres Therapeutischen Dienstes zur Verfügung. Diese Fachkraft wendet sich Kindern und Jugendlichen zu, die einen aktuellen Bedarf haben. Anlass dafür können aktuelle Konflikte oder die momentane psychische Verfassung der Schülerin bzw. des Schülers sein. Die Betreuung umfasst je nach Problemlage Gespräche, Unterrichtshospitationen, spielerische Angebote und Bewegung. Ziele der Arbeit sind die Entschärfung aktueller Krisen (Krisenintervention), die Entwicklung von Perspektiven, der Aufbau konstruktiver Verhaltensweisen und ggf. die baldige vollständige Reintegration in die Klasse.
Aufgrund der Struktur unserer Schule können wir unseren Schülern eine sehr umfassende schulische Förderung bieten und so dem sehr unterschiedlichen Lern- und Leistungsvermögen der Schüler individuell entsprechen. Mit Hilfe unseres diagnostischen Instrumentariums wird der Förderbedarf der Schüler ermittelt. Die Diagnostik wird häufig auch unterstützend bei Bildungsgangentscheidungen herangezogen.
Durch den differenzierenden Unterricht innerhalb der kleinen Klassen sowie in Kleingruppen wird versucht, die häufig bei der Aufnahme vorhandenen schulischen Defizite abzubauen. Schüler mit partiellen Lernstörungen erhalten ferner gezielten Förderunterricht. Neben der speziellen Förderung im Bereich Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) erhalten die Schüler auch Angebote in anderen Fächern, insbesondere in Mathematik und Englisch; zudem werden leistungsschwächere Schüler z.T. parallel zum Englischunterricht in den Fächern Deutsch bzw. Mathematik gefördert. Für die Förderung von Schülern mit vorhandener Dyskalkulie stehen ebenfalls Förderstunden zur Verfügung. Ferner werden Psychomotorik- und Sprachförderstunden angeboten. Der Förderunterrichtsplan wird ständig den individuellen Bedürfnissen der Schüler angepasst.
Durch die gezielten Hilfen gewinnen viele unserer Kinder und Jugendlichen Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit und finden so wieder Freude am Lernen.
Diverse Arbeitsgemeinschaften ergänzen unser schulisches Angebot.
Einen besonderen Stellenwert hat an unserer Schule auch die musikalische Förderung der Schüler. So singen alle Kinder der Primarstufe im Grundschulchor. Besonders befähigte Kinder und Jugendliche sind im Spezialchor zusammengefasst.
Die Kinder und Jugendlichen treten zu verschiedenen Anlässen sehr erfolgreich vor Publikum auf. Dabei werden einzelne Musikstücke gemeinsam mit unserem Lehrerchor einstudiert und vorgetragen.
Zu Beginn des Schuljahres 2007/2008 wurde an unserer Schule eine Bläserklasse gegründet. Alle Schüler der 5. und 6. Klassen erlernen ein Blasinstrument. Durch diese handlungsorientierte Form des Musikunterrichts, wird nicht nur ein Lernzuwachs sozusagen „spielend“ entwickelt. Das Konzept bewirkt u.a. auch die Stärkung der sozialen Kompetenz, indem es die Kooperationsbereitschaft, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Disziplin der Schüler fördert. Positiv wirkt sich das Konzept u.a. auch auf das Selbstvertrauen, die Lernmotivation sowie die Konzentrationsfähigkeit der Schüler aus. Inzwischen ist die Bläserklasse in der Lage, eine kleine Zahl von Musikstücken vor Publikum vorzutragen. Damit die musikalische Förderung der Bläserklassenschüler auch über die 6. Klasse hinaus fortgeführt werden kann, wird im kommenden Schuljahr ein Schulorchester gegründet.
Berufswahlvorbereitender Unterricht sowie die vierzehntägigen Betriebspraktika und Tagespraktika sind an unserer Schule von zentraler Bedeutung.
In enger Kooperation mit Eltern, Erziehungsleitern, Gruppen, Therapeutischem Fachdienst, Berufsberatern, Betrieben, Berufsschulen sowie Berufsbildungseinrichtungen erhalten die Schüler/innen vielfältige Hilfen, die ihnen die Wahl des zukünftigen Berufes und Berufsweges erheblich erleichtern.
Die schulische Arbeit wird in den Gruppen in Form gezielter Unterstützung bei der Hausaufgabenbetreuung ergänzt.

Unverzichtbar ist eine enge Kooperation mit allen am Erziehungsprozess beteiligten Fachkräften. Dies schließt einen ständigen Austausch zwischen Lehrkräften und Erziehern, Erziehungsleitern und Therapeuten sowie die Teilnahme am Heimleben ein. Darüber hinaus haben die Erziehungsberechtigten die Möglichkeit, jederzeit mit den jeweiligen Lehrkräften sowie der Schulleitung Kontakt aufzunehmen.
Schüler/innen, die unsere Schule bis zum Ende ihrer Schulzeit besuchen, können in der 9. Klasse sowohl den Hauptschul- als auch den Förderschulabschluss erwerben.
Darüber hinaus haben unsere leistungsfähigen Schüler/innen die Chance, in der 10. Klasse den Realschulabschluss zu erreichen. Die an unserer Schule erworbenen Abschlüsse sind denen an öffentlichen Schulen gleichwertig.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit unserer Schule ist die Kooperation Schule für Erziehungshilfe - allgemeinbildende Schulen im Rahmen der Sonderpädagogischen Dienste. Primäres Ziel der Kooperation ist der Verbleib von Schülern mit Verhaltensauffälligkeiten an ihren jeweiligen Regelschulen. In diesem Sinne leisten die Kooperationslehrer/-innen Einzelfallhilfen an den allgemeinbildenden Schulen im Schulamtsbezirk, indem sie Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern intensiv beraten und somit deren Kompetenz im Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten einzelner Schülerinnen und Schüler stärken. Sie unterstützen die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus, binden – sofern erforderlich - den zuständigen Sozialen Dienst in die Hilfe ein, vermitteln und vernetzen einzelne Hilfsangebote und erstellen in Zusammenarbeit mit der allgemeinen Schule pädagogische Berichte, denen vielfach eine umfangreiche Diagnostik (diagnostische Gespräche, Anamnese, standardisierte Verfahren) zugrunde liegt.
Im Rahmen einer intensiven Rückschulungsvorbereitung wird durch unsere Kooperationslehrer/-innen die erfolgreiche Rückführung an die Regelschulen angebahnt. In unserem Schulamtsbezirk finden zudem Rückschulungsbegleitungen bis zum Ende der Probezeit statt.
